Blog Care&Cockpit

AirNurseOne - Care&Cockpit

Im Blog Care&Cockpit verbinde ich meine zwei Leidenschaften – professionelle Pflege und zivile Luftfahrt. Beide Welten haben mehr gemeinsam, als man denkt: Präzision, Verantwortung, Teamgeist und die Fähigkeit, auch in turbulenten Situationen klar zu handeln. 
Mit diesem Blog möchte ich Pflegekräften Mut machen, den eigenen Beruf neu zu entdecken und wertzuschätzen. Denn Pflege ist einzigartig – vielfältig, verantwortungsvoll und voller Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung. 

Ich veröffentliche regelmäßig neue Beiträge – folgende Themen stehen 2026 im Fokus: 

Sicherheit, Verantwortung, Teamarbeit und Haltung in der professionellen Pflege, gedacht aus der Perspektive der Luftfahrt.

🔹 Quartal 1: Sicherheit & Verantwortung
🔹 Quartal 2: Kommunikation & Teamwork
🔹 Quartal 3: Vorbereitung, Wissen & Training
🔹 Quartal 4: Menschlichkeit, Haltung & Vision Was Piloten seit Jahrzehnten leben, ist auch für die Pflege zentral:
       strukturierte Vorbereitung, klare Kommunikation, professionelles Handeln – und Menschlichkeit.



                                                                       
 


Checklisten&SoP´s in der Luft und am Krankenbett

Checklisten&SoP´s in der Luft und am Krankenbett

Donnerstag, Januar 29, 2026

Im letzten Beitrag wurde das Thema Checklisten und SoP´s bereits angerissen. Heute möchte ich darauf konkret eingehen.

Checklisten sind Instrumente, die helfen, Tätigkeiten strukturiert und sicher vorzubereiten. Ein klassisches Beispiel findet sich in der Luftfahrt: Die Checkliste zum Klarmachen eines Flugzeuges vor dem Anlassen der Motoren unterstützt dabei, keinen sicherheitsrelevanten Schritt zu übersehen. Bevor ein Flugzeug überhaupt in Bewegung gesetzt wird, kommen umfangreiche und klar definierte Checklisten zur Anwendung.

Ich fliege in der Regel zweisitzige Kleinflugzeuge, konkret die Diamond Aircraft Katana DA-20. Auch wenn dieses Flugzeug klein und unscheinbar wirkt, sind die dazugehörigen Checklisten ebenso detailliert wie jene großer Verkehrsflugzeuge. Vor jedem Start ist eine sogenannte In-Cabin-Check durchzuführen: Funktionieren alle Warnleuchten? Befinden sich die Schalter in der richtigen Position? Ist die Steuerung freigängig?

Diese Innenkontrolle wird mit einer umfassenden Außenkontrolle kombiniert. Dabei wird unter anderem geprüft, ob sich Verunreinigungen auf den Tragflächen befinden, ob der Propeller frei beweglich ist, der Ölstand passt, der Luftdruck in den Reifen korrekt ist, die Ruder frei sind und das Pitotrohr nicht blockiert ist. Allein diese Schritte benötigen rund 15 Minuten.

Danach folgen weitere strukturierte Prüfungen: Flugplanung, Betankung, Schwerpunktberechnung sowie das Notfallbriefing. Letzteres beantwortet unter anderem die zentrale Frage: Was tue ich, wenn das Triebwerk kurz nach dem Start – etwa in 50 Metern Höhe – ausfällt?

Erst wenn all diese Punkte abgearbeitet sind, folgt der nächste von vielen Schritten, bevor das Flugzeug schließlich startbereit auf der Piste steht und der Gashebel auf vollen Schub geschoben wird. Wenn die Vorbereitung gewissenhaft erfolgt ist, bleibt das Notfallbriefing im Idealfall genau das: eine reine Sicherheitsmaßnahme, die Handlungssicherheit für den Ernstfall gibt.

Ganz ähnlich verhält es sich in der professionellen Gesundheits- und Krankenpflege. Ich war viele Jahre in der Intensivkrankenpflege tätig, und auch dort waren Checklisten und SoP´s unverzichtbar. Wird ein Intensivbehandlungsplatz für einen neuen Patienten vorbereitet, umfasst diese Vorbereitung – analog zur Flugvorbereitung – eine Vielzahl kleinteiliger und exakt definierter Schritte.

Bevor ein Patient überhaupt in das freie Bett aufgenommen werden kann, müssen zahlreiche Parameter überprüft werden: Ist die Beatmungsmaschine gemäß Checkliste korrekt aufgerüstet und pre-checked, sodass ihre einwandfreie Funktion sichergestellt ist? Stehen Notfallequipment, Intubationsbesteck und Defibrillator bereit? Auch Defibrillatoren selbst unterliegen regelmäßigen Funktionskontrollen anhand eigener Checklisten.

Darüber hinaus wird geprüft, ob Druckluft- und Sauerstoffversorgung verfügbar und funktionstüchtig sind, ob alle notwendigen Kabel für das Monitoring angeschlossen und griffbereit liegen, ob die Absaugeinheit einsatzbereit ist und ob die digitale Patientendokumentation korrekt funktioniert, um den nächsten Patienten aufzunehmen. Auch Materialien für Katheteranlagen oder intravenöse Zugänge müssen vorbereitet sein. Nicht zuletzt ist das Bett selbst zu überprüfen: Moderne Intensivbetten sind hochkomplexe, multifunktionale Systeme, deren zahlreiche Funktionen ebenfalls getestet werden müssen.

In all diesen Bereichen helfen Checklisten und SOPs, systematisch jeden relevanten Punkt zu überprüfen. Sie schaffen Struktur, reduzieren Fehlerquellen und erhöhen die Sicherheit.

Wie in der zivilen Luftfahrt gilt auch in der Pflege: Ohne gründliche Vorbereitung kommt nichts ins Rollen. Bevor überhaupt ins Handeln übergegangen wird, sind viele präzise Vorbereitungsschritte notwendig. SoP´s und Checklisten sind dabei keine bürokratische Last, sondern ein unerlässliches Werkzeug zur Gewährleistung von Sicherheit – sei es in der Luft oder am Krankenbett.

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